Smoking/ No-Smoking (3. Teil: Ein Sommerfest). Eine Komödie von Alan Ayckbourn (Originaltitel: "Intimate Exchanges")

Fotos von Michael Meinhard

Inhalt

Sylvie und Celia könnten, ebenso wie Lionel und Toby, in Sprache und Verhalten nicht unterschiedlicher sein. Alan Ayckbourn verstärkt diese Differenz seiner Figuren, indem er die Schauspieler mit Doppelrollen besetzt. Getragen von witzig-bösen Dialogen, thematisiert Ayckbourn zunächst die Klassen- und Bildungsgrenzen sowie die unterschiedlichen Rollen von Mann und Frau in der englischen Gesellschaft der 80er Jahre. Es geht ihm aber auch um Entscheidungen, die man im Leben treffen muss - dabei handelt es sich manchmal um kleine Entscheidungen mit großer Wirkung.

 

Inszenierung

Der Titel "Smoking/ No-Smoking" deutet es bereits an: Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben in die eine oder andere Richtung zu lenken, unser bloßes Da-Sein in ein individuelles, geglücktes So-Sein zu verwandeln. Damit erhält die sozialkritische Komödie eine existentialistische Tiefenschärfe. Deutlich wird dies, wenn die Geschichte auf der Bühne manchmal zurückspringt, um von einem bestimmten Punkt der Handlung einen ganz anderen Verlauf zu nehmen. Sollte das Bühnengeschehen die Zuschauer zum Nachdenken über eigene Lebensentscheidungen anregen, so nimmt die Inszenierung dies sehr gerne in Kauf...

 


Hut ist Hut - Eine schillernde Hommage mit wechselnden Kopfbedeckungen an große Autoren

Fotos von Michael Meinhard

Inhalt

Wer nach drei Minuten „Tatort“ den Mörder errät und fortan von Langeweile aufgefressen wird, der ist reif für diese revueartige Hommage! Wer wissen will, was Heiner Müller, Billy Wilder oder Jean-Paul Sartre wirklich gemeint haben, der ist ebenfalls reif für diese ganz besondere Revue des Bonner "ensemble déjà-vu" und der „Borsalino Street-Band“!

 

Inszenierung

Die Inszenierung bietet ein Potpourri unterschiedlichster Szenenfragmente aus Literaturkanon und Filmgeschichte. Mal burlesk dargeboten, mal als film noir. Das Ganze garniert mit Foxtrott, Tango und Beguine. Das Wechselspiel zwischen Schauspiel und Musik überhöht das Dargestellte manchmal ins Groteske, eröffnet aber auch neue Einsichten in kulturell vermeintlich Vertrautes. Hier entwickeln sich keine Charaktere, hier agieren Kopfbedeckungen. Getreu dem Motto: Zeig‘ mir Deinen Hut und ich sage Dir, wer Du bist. Zusammengestellt von Gernot Gad, inszeniert von Achim Haag.

 

Ein komödiantischer Stoff sucht seinen Regisseur und vice versa „Hut ist Hut“. Eine Hommage - eine Revue
Vorgeschichte

Nach zwei ebenso dramatischen wie emotional aufgeladenen Kammerspielen (dabei handelte es sich um Bergmans „Herbstsonate“ und Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“) war ich – zum ‚ästhetischen Ausgleich‘ - auf der Suche nach einem komödiantischen Stoff. Der begegnete mir, als ein befreundeter Musiker, Gernot Gad, mir seine revueartige Aneinanderreihung von Szenen(fragmenten) aus der Theater- und Filmgeschichte zu lesen gab – mitsamt den dazugehörigen Musikstücken. Diese reichten von klassischen New Orleans Jazz-Standards über bekannte Musical-bzw. Film-Melodien bis zum Schlager der 1950er Jahre und korrespondierten inhaltlich mal mehr, mal weniger mit den ausgewählten Szenen. Aber gerade dadurch entstand eine Spannung, die mir gefiel. Kurzum: Die Lektüre amüsierte und inspirierte mich gleichermaßen, so dass ich spontan zusagte, diese ‚schillernde‘ Revue in Szene zu setzen: Ich hatte meinen komödiantischen Stoff gefunden - und der mich!


Zur Inszenierung von „Hut ist Hut“
Geleitet ist meine Inszenierung von drei Grundideen: Zum einen persifliert sie die klassischen Revuen, vor allem US-amerikanischer Prägung, zum anderen ist sie eine Hommage an die Schauspielkunst. Darüber hinaus führe ich auf (hoffentlich!) unterhaltsame Weise vor Augen, in welch hohem Maße „inszenieren“ stets „interpretieren“ bedeutet.


Die Persiflage geschieht dadurch, dass „Hut ist Hut“ ohne Gesangs- und (bis auf eine augenzwinkernde Ausnahme) ohne Tanzeinlagen auskommt. So werden die Texte der Musikstücke stets gesprochen und verfremdet dargeboten: als Abzählreim, dadaistisch dekonstruiert, überhöht als Shakespeare-Rezitation oder dramaturgisch in die Szene integriert. Da die Revue per definitionem keine durchgängige Handlung besitzt, sind die Schauspieler gezwungen, nach jedem Musikstück eine neue Rolle einzunehmen, d.h. einen anderen Charakter ‚aus dem Stegreif‘ mit Leben zu füllen und eine neue szenische Stimmung zu schaffen – sei es als Verbrecher-Pärchen aus einem film noir, sei es als unbedarft plappernde Witwen, die einer Boulevard-Komödie entsprungen scheinen. Dieser permanente Rollenwechsel der schwarz gekleideten und barfüßig auftretenden Schauspieler wird nur durch die ständig wechselnden Kopfbedeckungen angezeigt – eine große schauspielerische Herausforderung!


Heiner Müllers „Herzstück“ gleich zu Beginn der Revue erlaubt es mir, zu zeigen, dass derselbe Text – einmal burlesk, ein anderes Mal erotisch und ein drittes Mal als hektisches Speed-Dating inszeniert – unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird. An anderer Stelle ist es ein Ausschnitt aus Botho Strauß‘ „Der Park“, dessen mythologische Überhöhung szenisch wie musikalisch karikiert wird. Aber auch in dem Szenenfragment aus Jean-Paul Sartres Theaterstück „Das Spiel ist aus“ beraubt die Inszenierung die Figuren im Totenreich sogar noch ihrer Seelen. Sie weist damit weit über die Intention des Autors hinaus. „Hut ist Hut“ ist eine ironische Hommage an große Autoren, aber auch an das (Revue-)Theater und seine Darsteller/innen.


Wer den sämtliche Szenen und Musikstücke namentlich auflistenden Programmflyer erst nach der Aufführung liest, hat das zusätzliche Vergnügen, seine theater- und filmhistorischen Kenntnisse überprüfen zu können! von Achim Haag

 

aus: Thespis, Rundbrief der Freunde der Kammerspiele, Nr. 104, April 2017, S. 4.


Rainer Werner Fassbinder - Die bitteren Tränen der Petra von Kant

Fotos von Michael Meinhard

Inhalt

Petra von Kant, eine erfolgreiche Modeschöpferin, verliebt sich in die aus einfachen Verhältnissen stammende

Karin Thimm, die eine Karriere als Model plant. Die unerwiderte Liebe treibt Petra von Kant in ein schmerzvolles

Gefühlschaos, das zwischen abgrundtiefem Hass und unerfüllter Sehnsucht schwankt. Marlon, Petra von Kants

sklavisch ergebener Assistent, beobachtet den Machtkampf der Liebe zwischen beiden Frauen und trifft am Ende

eine für alle existentielle Entscheidung.

 

Inszenierung

Das “ensemble déjà-vu” zeigt in einer emotional aufgeladenen Inszenierung ein zentrales Thema Fassinders:

die Ausbeutbarkeit von Gefühlen. Dabei lässt die Inszenierung den 1982 verstorbenen Regisseur und Theaterautor

im Prolog selbst auftreten und nach der Bedeutung seines Stücks für den heutigen Zuschauer fragen.

 


Ingmar Bergman - Herbstsonate

Fotos von Michael Meinhard

Inhalt

Ein Pfarrhaus auf dem Lande. Die gefeierte Konzertpianistin Charlotte Andergast trifft nach siebenjähriger Trennung

ihre Tochter Eva, eine verhärmte Pfarrersfrau. Charlotte bemüht sich um die Versöhnung mit ihrer Tochter Doch nach

anfänglicher Freude über das Wiedersehen brechen die alten Spannungen wieder auf. Der schmerzvolle Versuch

der beiden Frauen, die Vergangenheit zu begreifen, schlägt um in Aggression und Hass.

 

Inszenierung

Das „ensemble déjà-vu“ präsentiert ein psychologisch packendes Stück um die aufwühlende Begegnung von Mutter

und Tochter, von mondäner Künstlerinnenexistenz und weltabgeschiedenem Landleben, von unerfüllter Sehnsucht

und tiefer Verzweiflung. Sehnsucht und Verzweiflung gründen nicht zuletzt in der bitteren Erkenntnis, dass von Gott

keine Hilfe zu erwarten ist.